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Survivorship Bias: Die Gefahr des Erfolgs

Aktualisiert: 19. Apr. 2023

Wie man Fehlschlüsse vermeidet

und von Erfolgsgeschichten lernt



Fallschirmspringer aus der Vogelperspektive: Überleben durch kluges Handeln, nicht durch Zufall
Überleben durch kluges Handeln: Wie man von Erfolg UND Misserfolg lernt


Die Überlebenden-Verzerrung ist ein Denkfehler, die uns dazu bringt, den Erfolg erfolgreicher Menschen zu überschätzen und die Rolle des Zufalls bei ihrem Erfolg zu unterschätzen. Diese Verzerrung wird als „Survivorship Bias“ bezeichnet und tritt auf, wenn wir nur die Überlebenden betrachten und dabei vergessen, dass es auch viele fleißige und talentierte Menschen nicht geschafft haben, die „Nicht-Überlebenden“.


Ursprünglich wurde der Survivorship Bias im Zweiten Weltkrieg entdeckt, als amerikanische Ingenieure die Panzerung von Flugzeugen verstärken wollten, um die Überlebenschance der Piloten zu erhöhen. Abraham Wald, ein Statistiker, untersuchte die Einschusslöcher an den Flugzeugen, um herauszufinden, wo die Panzerung verbessert werden musste. Doch anstatt die Stellen zu verstärken, an denen Rückkehrer die meisten Einschüsse hatten, untersuchte Wald die Stellen, an denen keine Einschusslöcher vorhanden waren. Auf diese Weise konnte er herausfinden, welche Stellen am stärksten von feindlichem Feuer getroffen wurden.


Ein Gedankenexperiment. Nimm ein Würfelspiel mit 1.000.000 Spielern. Die Annahme ist, dass alle gleich fleißig, talentiert und intelligent sind. In einem direkten Duell treten jeweils 2 Spieler gegeneinander an und derjenige, der eine höhere Kopfzahl würfelt, kommt eine Runde weiter. Dies Spiel wird so lange gespielt, bis im Finale nur noch 2 übrig bleiben. Der Sieger ist Milliardär. Der Sieger wird nun nach seinen Erfolgsgeheimnissen gefragt und zählt eine Liste von Eigenschaften auf, die er für relevant hält. Eigenschaften, die die anderen 999.999 Teilnehmer auch verinnerlicht hatten. Dies fasst im Kern die Problematik, des Survivor Ship Bias zusammen.


"Wir können aus Erfolg lernen, aber wir lernen noch mehr aus Misserfolgen." Bill Gates


Weitere Beispiele aus der Praxis:

  1. Wirtschaft: Erfolgreiche Unternehmer werden oft nach ihren Erfolgsrezepten gefragt, was den Eindruck vermittelt, dass jeder ein erfolgreicher Unternehmer werden kann, wenn er nur ihre Strategien übernimmt. Doch dies blendet aus, dass die meisten Unternehmer, die mit einer gleichen Strategie gestartet sind, gescheitert sind.

  2. Börse: Bei Investmentfonds werden im Laufe der Zeit einige Fonds geschlossen, die eine unbefriedigende Wertentwicklung aufweisen. Dies führt dazu, dass die Gesamtperformance des Investmentfonds insgesamt besser ausgewiesen wird, da die „Pleitefonds“ permanent aus der Kalkulation herausfallen. Die wenigsten Fondsmanager schlagen die Referenzindizes dauerhaft.

  3. Kunst/Sport: Für jeden prominenten Künstler, Schauspieler, Sänger oder Sportler gibt es Tausende, die es leider nie geschafft haben, obwohl sie ähnlich talentiert und fleißig waren. Dennoch wird jungen Menschen oft der Eindruck vermittelt, dass es einfach ist, ein Star zu werden.


Wie schützt du dich vor dem Survivorship Bias?


  1. Hinterfrage Erfolgsgeschichten kritisch und sei demütig. Wir neigen dazu, unseren eigenen Erfolg auf unsere Fähigkeiten zurückzuführen und das Glück oder den Zufall auszuschließen. Doch oft spielt der Zufall eine wichtige Rolle bei unserem Erfolg.

  2. Lerne aus Misserfolgen. Studiere nicht nur die Erfolgsgeschichten, sondern auch die Geschichten von Menschen, denen der Erfolg vergönnt blieb.

Fazit:

Es ist wichtig, sich vor dem Survivorship Bias zu schützen, indem man kritisch hinterfragt, welche Faktoren zum Erfolg beigetragen haben und welche nicht. Auch das Studium der Geschichten der Gescheiterten kann ein objektiveres Bild vermitteln und helfen, aus Misserfolgen zu lernen.


Es ist jedoch auch wichtig zu betonen, dass Erfolg durch harte Arbeit und Talent erzielt werden kann. Der Survivorship Bias sollte nicht als Entschuldigung für Misserfolg oder fehlende Anstrengung genutzt werden. Vielmehr geht es darum, eine ausgewogene und realistische Sicht auf Erfolg und Misserfolg zu entwickeln, um langfristig erfolgreich zu sein.


Indem wir uns bewusst machen, dass Erfolg nicht ausschließlich auf uns selbst zurückzuführen ist, sondern oft von äußeren Faktoren und Zufällen beeinflusst wird, können wir uns vor dem Survivorship Bias schützen und eine realistische Einschätzung unserer eigenen Fähigkeiten und Leistungen entwickeln.


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